Bleiben wir bei der Kritik von Sportevents - Olympia in Hamburg?
Wer in Hamburg wohnt, wird einem Thema derzeit wohl nicht aus dem Weg gehen können: Olympia. Viele Wahlberechtigte haben ihre Wahlunterlagen für das Referendum am 29. November 2015 bereits erhalten und stehen vor der Frage: Bewerbung für Olympia in Hamburg, ja oder nein? Die Hamburger Parteien und der Senat zelebrieren sich mit der Tatsache, dass Hamburg als einzige Bewerberstadt eine Volksabstimmung in dieser Frage abhält und scheinen ob ihrer basisdemokratischen Vorreiterrolle in Ruhm und Ehre kaum noch zu übetreffen sein. Wer so viel Demokratie und Bürgernähe beweist, muss die Spiele doch einfach verdient haben!
In der Tat ist das zwecks Olympiabewerbung durchzuführende Referendum ein obligatorisches und kein konsultatives Referendum, d.h., das Ergebnis der Wahl hat eine rechtsverbindliche Wirkung. Ein mehrheitliches JA erzwingt also eine Bewerbung für die olympischen Spiele, ein mehrheitliches NEIN verhindert eine solche Bewerbung. Olaf Scholz kann es gar nicht oft genug betonen, dass die Entscheidung bei den BürgerInnen liegt. Was auf den ersten Blick wie eine demokratische Legitimationsbasis zu sein scheint, ist beim zweiten, spätestens dritten Blick jedoch etwas komplizierter.
Wer die Wahlkampagne zu Olympia etwas genauer verfolgt hat, wird unschwer festgestellt haben, dass das Beteiligungsverfahren eher manipulativen denn ergebnisoffenen Charakter hatte. Die geradezu empor gejubelte Befürwortungskultur stand von Anfang an im Vordergrund, ohne zu argumentativer Abwägung oder kritischer Reflexion, vor allem in Sachen ernstzunehmender Risiken, anzuregen. Die Belege hierfür liegen auf der Hand oder vielmehr in der ganzen Stadt verteilt. Von Behördengebäuden über öffentliche Verkehrsmittel bis hin zu gigantischen Werbeaktionen wie letzten Sonntag auf der Hauptwiese des Stadtparkts wimmelt(e) es nur so von einseitigen Pro-Olympia-Aussagen. Den geneigten HamburgerInnen wurde eines glasklar suggeriert: für Olympia zu sein, heißt für die Stadt Hamburg zu sein, da alle davon profitieren.
Auch die Aufbereitung des Informationsheftes, das den Wahlunterlagen beigefügt wurde, lässt zu wünschen übrig. Von Seite 4 bis 10 treten SPD, CDU und Grüne für die Olympischen Spiele ein und dann passiert etwas groteskes: auf Seite 11 erscheinen Linkspartei und AFD gemeinsam, wobei der Linkspartei bloß ihr Wahlplakat vergönnt war und die AFD einen Kurztext präsentiert, in dem sie sich nach einer Auflistung fragwürdiger Proargumente mit dem vernünftigen Argument eines fehlenden, belastbaren Finanzierungskonzepts gegen die Spiele positioniert. Allerdings mit Bedauern. Auf ersten Blick wirkt es so, als sei der Kurztext der AFD Beschreibung des Wahlplakats der Linkspartei, es wird jedoch schnell deutlich, dass dies inhaltlich nicht aufgeht. Es gebietet sich schon aus politischen Gründen schlichtweg nicht, die AFD und die Linkspartei in einem Zug anzuführen. Nachdem die Parteien zu Wort kommen durften, erklärt der Senat, als ob die jeweiligen Parteien der Proseite noch nicht Stellung bezogen hätten, von Seite 12 bis 19 erneut die Begrüßung der Olympia in Hamburg. Seite 20 bis 27 ist der Bürgerinitiative Stop Olympia gewidmet, die auf verständliche und bürgernahe Art und Weise kritische Argumente vorbringt. Kritische und dubiose Aussagen finden sich einmal auf kuriose Weise auf Seite 11 und kritische Einwände von Seite 20 bis 27, wobei die kritische Volksinitiative eher wie ein unmotiviert angehängter Appendix wirkt, als ob man sich zum Ende am Rande mit dieser auch noch auseinandersetzen müsste. Der Stimmzettel weist ebenso durch seine Aussage „Ich bin dafür, dass [...]“ eine Protendenz auf, indem durch diese Formulierung nicht beide Optionen von JA und NEIN gleichwertig nebeneinander stehen, sondern eine Dafürhaltung sprachlich vorweg nahegelegt wird.
Knüpfen wir bei dem Argument des finanziellen Risikos an. Die Olympischen Spiele, von 1960 bis 2012, haben den im Voraus kalkulierten Finanzbedarf bisher immer deutlich überschritten, und zwar nicht in Form von Peanuts, sondern von durchschnittllich über 100%. Sei es durch die Bauprojekte für die Spiele in der Stadt oder durch strikte Auflagen des International Olympic Committees. Es werden zwar Finanzierungsmodelle vorgelegt, bei denen handelt es sich jedoch vielmehr um Szenarien als durch Zahlen und Fakten abgesicherte und somit belastbare und glaubwürdige Finanzierungskonzepte. Die Intransparenz der Finanzierungsmodelle erhärtet den Verdacht, dass es sich dabei lediglich um Annahmen/Vermutungen handelt. Abgesehen davon soll die gesamte Planung und Umsetzung der Infrastruktur für die Olympischen Spiele von internationalen Trägern verantwortet werden und es zeigt sich in Studien zu vorherigen Olympiastädten, dass vermeintliche Mehreinnahmen durch geförderten Tourismus den überspannten Finanzierungsbedarf nicht zu kompensieren vermögen. Auch das Argument Olympia als Jobmotor erweist sich als fragwürdig, wenn man bedenkt, dass nahezu ausschließlich kurzfristig geschaffene Niedriglohnjobs und Volunteerstellen geboten werden, um das Spektakel abzuwickeln. Entgegen aller fulminanten Beteuerungen des Senats und aller befürwortenden Parteien ist also mit aller Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der finanzielle Rahmen für die Olympischen Spiele gesprengt wird und gleichsam ein Ausgleich geschaffen werden muss. Der wirtschaftspolitische Standpunkt unseres Senats sollte hierbei nicht vergessen werden. Die vom Senat betriebene Sparpolitik und die im Rahmen dieser initiierten Schuldenbremse wird dazu führen, dass es keine zusätzlichen Ausgaben aus dem öffentlichen Haushalt geben wird, sondern vielmehr Kürzungen in sozialen und kulturellen Bereichen, um die höchstwahrscheinlichen Mehrkosten der Olympischen Spiele zu decken. Das in neoliberalen Zeiten ohnehin schlecht gestellte Leidenspaar Kultur und Soziales würde duch die Olympischen Spiele einmal mehr mit Füßen getreten werden.
Gerne wird innerhalb der Befürwortungskultur das große Potenzial innovativer Stadtentwicklung durch Olympia in Hamburg hervorgehoben. Es stellt sich ernsthaft die Frage, warum erst ein gigantisches Sportevent Anlass sein sollte, in die Infrastruktur der eigenen Stadt zu investieren, als ob erst profithungrige IOC-Funktionäre als Privatprofiteure vorhanden sein müssen, um Stadtentwicklung voranzutreiben. Sollte nicht eine ausreichende Finanzierung und Bereitstellung notwendiger Infrastrukturen selbstverständliche Aufgabe politischen Handelns sein? Ferner werden sich sämtliche Investitionen in die Infrastruktur auf olympiaspezifische Bereiche beschränken, die, auch wenn anschließend umfunktioniert (Olympiaschwimmhalle soll Spaß- und Erlebnisbad für alle werden...), den öffentlichen infrastrukturellen Bedarfen nicht gerecht wird. Wer meint, es gebe keine Bedarfe, sollte sich mal viele Schulen, Kindertagesstätten und die Universtät Hamburg anschauen oder sich den Zustand in Aufnahmelagern für Flüchtlinge z.B. vergegenwärtigen. Was infrastrukturelle Investitionen notwendig macht, wird durch Olympia entweder auf die lange Bank geschoben werden oder sogar gänzlich entfallen. Auch die Sanierungs- und Wohnungsbaumaßnahmen für die Olympischen Spiele auf dem Grasbrook werden viele Kosten mit sich bringen. Allein die Sanierung der Hafenflächen des Grasbrooks werden Kosten im Milliardenbereich verursachen. Der Olympiahaushalt wird das nicht alleine stemmen können. Es werden entweder öffentliche Steuergelder herangezogen oder Mietpreise erhöht werden müssen. In der Olympic City of London hat übrigens der Mietpreismechanismus gegriffen, um eben Sanierung und Wohnungsbau zu refinanzieren. Selbst bei verkündeter Mietpreisbremse und der Errichtung einiger Sozialwohnungen unter den Wohnungsbauten ist eine Mietpreiserhöhung im Grasbrook und mittelfristig in umliegenden Elbinselquartieren wie Wilhelmsburg und Veddel zu erwarten. Die Olympischen Spiele werden demnach dem Gentrifizierungsprozess auf der Elbinsel Vorschub leisten, welcher wiederum eine Verdrängung sozioökonomisch schlechter gestellter Menschen impliziert.
Große Sportevents sind Experimentierfeld für Sicherheitskonzepte. Selbst wenn entsprechende Gesetzgebungen von Land zu Land verschieden sind, ist mit vielen Sicherheitsmaßnahmen zu rechnen, die bedauerlicherweise nicht transparent gemacht und im Vorfeld nicht diskutiert werden. Inwiefern hier eventuell Rechte von BürgerInnen der Stadt verletzt werden, wird bisweilen nicht thematisiert und lediglich darauf verwiesen, dass es eine flächendeckende Videoüberwachung oder einen Einsatz der Bundeswehr nicht geben wird. Aber auch in vorherigen demokratischen Austragungsstaaten gab es eine digitale Überwachung öffentlicher Räume sowie eine Schaffung von Sonderzonen um die Sportstätten, auch einhergehend mit einer Aufrüstung von Sicherheitskräften. Dass die Bundeswehr hier nicht zum Zuge kommt und nicht flächendeckend videroüberwacht wird, sind eher Scheinargumente, da von einer Militarisierung der Polizei innerhalb solcher Sonderzonen im öffentlichen Bereich sowie von einer digitalen Überwachung ausgegangen werden kann. Ob also das Argument „sichere Spiele“ nicht eher zu Verstoßen gegen in der Verfassung gewährter Rechte führt, ist wegen mangelnder Transparenz nicht einmal diskutierbar. An der Stelle zeigen die Beispiele aus vorherigen Austragungsstaaten ebensolche Bürgerrechtsverletzungen, womit auch hierzulande unrechtmäßige Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen wahrscheinlich ergriffen würden. Demonstrationsrecht, Meinungsfreiheit sowie Datenschutz werden unter anderem wohl zeitweilig und in einem räumlich nicht einzuschätzenden Rahmen außer Kraft gesetzt werden.
Es bleibt zu hoffen, dass die BürgerInnen Hamburgs auch kritische Argumente mit ins Kalkül ziehen, um nicht blindlings der einseitigen Befürwortungskampagne zum Opfer zu fallen. Es sollte doch zumindest gewährleistet sein, sich kritisch eine Meinung bilden zu können. Und zwar noch bis zum 29.11. Kritische Stimmen gibt es ja. Sie gehen im öffentlichen Diskurs jedoch unter.
Verwendete Quellen:
http://www.nolympia.de/
http://www.stopolympia.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Olympisches_Komitee
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Spiele
Wahlheft zum Bürgerschaftsreferendum
janison am 10. November 15
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Den Deutschen ihr Lieblingssport
Die SG Findorff spielt seit dieser Saison in der Bezirksliga Bremen. Der Verein in dem Stadtteil Bremens, in dem ich wohne, ist letzte Saison abgestiegen und spielt deswegen in dieser, in der siebten Liga. Manchmal gönne ich mir den Spaß und verbringe am Wochenende zwei Stunden neben dem Fußballplatz. Eintritt kostet 2 Euro und man muss mit dem Schlimmsten rechnen. Aber manchmal kommen doch ganz ansehnliche Spiele heraus.
Auf der Website
Fussball.de finden sich Informationen zu so ziemlich allen Ligen in Deutschland. Und davon gibt es eine ganze Reihe! Laut
Wikipedia traten in der Saison 2012/13 33.633 Mannschaften in 2344 Ligen auf bis zu 13 Ebenen an. Und heute werden es nicht viel weniger sein. Wenn ich Informationen sage, dann bedeutet das meistens mindestens, dass dort steht, wer wann die Tore geschossen oder eine Karte bekommen hat. D.h., es gibt für jede Liga mindestens eine/n Fußballverrückte/n, der/die die Schiedsrichterberichte durchforstet.
So ziemlich in jedem Stadtteil und jedem Kaff gibt es einen Fußballverein - oder es gab ihn zumindest, auch wenn er mittlerweile aus Kostengründen mit dem Nachbarverein fusionieren musste.
Selbst wenn man zu den durchaus zahlreich vorhandenen Menschen gehört, die sich nicht für Fußball interessieren, kann man sich in Deutschland dem Lieblingssport nicht gänzlich entziehen. Von der Herrenweltmeisterschaft bis zum Staffelsieg der lokalen B-Jugend, von dem im Anzeigenblättchen berichtet wird. Der Fußball ist allgegenwärtig und hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Dies bringt viele Vorteile mit sich. Genau wie alle anderen (gerade Mannschafts-)Sportarten auch und wegen seiner Popularität nunmal potenziert, hat er eine große Integrationskraft und ist auch aus gesundheitspolitischer Sicht unverzichtbar.
Doch es ist etwas faul im Staate Fußball. Schon lange ist klar, dass die FIFA, der quasi-mafiös aufgebaute Weltfußballverband, ein
korrupter Drecksladen ist. Nachdem Joseph "Sepp" Blatter jahrelang dort schalten und walten konnte, wie er es wollte, er und seine FunktionärInnen ordentlich Kasse machen und Staaten wie Südafrika und Brasilien ausnehmen konnten, waren es am Ende tatsächlich die USA bzw. das FBI, denen es zu bunt wurde. Und das, obwohl Fußball dort wenn überhaupt eher noch ein aufstrebender Sport ist - und vom sonst so omnipräsenten Ruf der "Amis" mal ganz abgesehen.
Eigentlich war schon das ein Armutszeugnis für die Verbände der eigentlich"großen" Fußballnationen. Auch für den Deutschen Fußballbund (DFB). Doch für den kommt es nun noch dicker. Das Sommermärchen, die Fußball-WM 2006, bei der die Welt zu Gast bei deutschen Freunden war und Deutschland sich endlich so nett präsentieren durfte wie es das schon immer wollte, soll gekauft worden sein. Und anscheinend doch nicht vom Satiremagazin
Titanic, sondern vom DFB höchstselbst. Wer jetzt wann genau bestochen und wer gelogen hat,
ist noch nicht so ganz klar. Und mediale Verbündete der damals agierenden Seilschaften (wie z.B. Sport-Bild-Cefredakteur
Alfred Draxler) versuchen auch eine Nebelkerze nach der anderen zu werfen. Was aber immer klarer wird: Auch der DFB hat ordentlich mitgemischt im globalen Fußballkorruptionskarussell. Ein Skandal, der die deutsche Fußballseele mitten ins Herz trifft!
Ein Skandal, der die deutsche Fußballseele mitten ins Herz trifft? Nun ja, ganz so einfach ist es nicht. Die Frage, die sich nun stellen wird, ist: Werden sich die Menschen hierzulande lange genug empören, damit es ernsthafte Reformen geben kann? Man schaue sich nur die deutsche Vereinsstruktur an. So mancher Landesverband einer Volkspartei ist transparenter und weniger klüngelbelastet als viele der Vereine an der Basis. Seilschaften gibt es auch dort zu genüge. Doch das ist in Ordnung: Man kennt sich ja. Und wer nicht mitmachen will, wenn am Stammtisch Entscheidungen getroffen will, der kann halt gehen. Dass nebenbei am gleichen Stammtisch davon gesprochen wird, wie korrupt unsere PolitikerInnen seien und dass die ja eh machen würden, was sie wollen, gehört zum guten Ton. Dass dies nicht auf alle Vereine zutrifft, ist selbstverständlich. Dass das deutsche Vereinswesen aber nicht gerade ein Hort progressiven Handelns ist, sollte ebenso klar sein.
Und es ist ja nun nicht so, dass die Empörung über die FIFA jemals groß genug geworden wäre, dass sich ernsthaft etwas geändert hätte. Die Party war bei jeder WM auf's Neue groß - obwohl allenorts über die FIFA gelästert wurde. Am Ende Schadenfreude zu empfinden und "RICHTIG SO!" zu schreien, wenn diverse FIFA-FunktionärInnen abgeführt werden - das reicht einfach für Hochmut nicht aus.
Fußball ist für alle da und sollte eigentlich demokratisch organisiert werden. Der Meinung bin ich auch. Doch Fußball ist auch ein Riesengeschäft. Mit der WM 2014 alleine hat die FIFA einen
Gewinn von 1,6 Milliarden Euro eingefahren. Da viele Leute bereit sind, direkt Geld auszugeben, Gebühren zu zahlen oder Werbung über sich ergehen zu lassen, wird das auch so bleiben. Unser Wirtschaftssystem lässt auch gar nichts anderes zu.
Das weckt viele Begehrlichkeiten und regt geradezu dazu an, sich diese Geldmassen zu eigen zu machen, um sie sich in die eigene Tasche zu wirtschaften oder damit Macht über den meistbeachteten Sport weltweit zu bekommen.
Eigentlich müsste Fußball also deutlich stärker zumindest demokratischer Kontrolle unterworfen werden - aber sind wir bereit, uns dafür einzusetzen? Die meisten von uns betrachten Fußball gucken und spielen als Freizeit, in der wir uns eigentlich nicht mit wirklich ernsthaften Themen beschäftigen wollen (auch wenn für viele ein Derby das ernsthafteste ist, was sie sich vorstellen können). Der Fußball ist eine Parallelwelt, in die wir immer mal wieder kurz eintauchen können, um uns der richtigen Welt zu entziehen.
Sind wir als Gesellschaft bereit, diese Parallelwelt zu einer Bühne des Politischen zu machen? Ich bleibe da eher skeptisch. Aber die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt.
davezeville am 28. Oktober 15
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Über die fragwürdige Psychologisiererei zum Verhalten des Co-Piloten des Unglücksfluges
Es ist schon beeindruckend oder wegen fast selbstverständlich gewordener Verhaltensmuster für kritische LeserInnen langweilig oder beschämend, wie vermeintliche ExpertInnen anhand einiger vager Hinweise sich zu einer sicheren psychopathologischen Diagnose des Co-Piloten des Unglücksfluges 4U-9525 in der Lage glauben. Man weiß, dass sich der Co-Pilot in ärztlicher Behandlung am Universitätsklinikum Düsseldorf befand, die dort tätigen Ärzte berufen sich jedoch auf das gesetzliche geregelte Schweigegebot. Es sind in der Wohnung des Co-Piloten (auch zerrissene) Krankschreibungen ausfindig gemacht worden, die eine psychische Erkrankung des Co-Piloten (lediglich!) indizieren. Außerdem kolportiert man in Lufthansa-Kreisen eine Unterbrechung der Ausbildung wegen einer Depression, andere frühere Mitmenschen beschreiben den Co-Piloten als netten, freundlichen, tendenziell ruhigen Zeigenossen, der kein auffälliges Verhalten an den Tag legte.
Wenn mittels DNA-Analyse die sterblichen Überreste des Co-Piloten nachweisbar sind, beginnt erst die rechtsmedizinische Obduktion, welche physiologisch begründete Hinweise auf psychische Erkrankungen durch Blut- und Gewebsuntersuchungen geben kann. Aber auch an dieser Stelle ist zunächst abzuwarten, inwiefern die sterblichen Überreste für eine genaue Bestimmung einer psychischen Störung des Co-Piloten valide sind. Alle bis dato geführten Interviews – auch mit professionellen PsychologInnen – müssen ergo spekulativ bleiben und stellen mitnichten, wie im medialen Mainstream jedoch geschieht, vollendete Tatsachen dar. Zumal ein technischer Defekt des Flugzeuges auch immer noch nicht definitiv ausgeschlossen werden konnte.
Es ist also wieder einmal für unseren Mainstreamjournalismus bezeichnend, tragische Ereignisse durch Desinformation, Spekulationen und vermeintliche ExpertInnenmeinungen zu hypen und ein verzerrtes Bild der Realität zu präsentieren. Würden unsere QualitätsjournalistInnen sich selbst einmal derart darbieten, wie sie das politische Weltgeschehen oder solche tragischen Ereignisse wie den Flugzeugabsturz beurteilen, würden sie sich allesamt regelmäßig schwerwiegende dissoziative Wahrnehmungsstörungen chronischen Ausmaßes attestieren. Aber damit würden sie kein Geld verdienen. Anstatt dem Co-Piloten also voreilig ganz konkrete psychische Erkrankungen zu unterstellen, die jedweder psychopathologischen Validität entbehren, wäre eine Aufklärung über die Depression als psychischer Krankheit - vor allem durch die professionellen PsychologInnen und ÄrztInnen in den Interviews - wünschenswert. Auch im Anbetracht dessen, dass psychischen Krankheiten landläufig viele Vorurteile und Stigmatisierungen anhaften, unter denen psychisch Kranke häufig auch schwerlich zu leiden haben.
Um also nicht aufgrund der hiesigen Hinweise eine eindeutige psychische Störung des Co-Piloten abzuleiten, werden im folgenden, wenn auch in knapper Weise, wissenschaftlich fundierte Informationen über die im Zusammenhang mit den Co-Piloten postulierte psychische Krankheit der Depression vermittelt, anhand derer das öffentliche Bild einer Depression dekonstruiert und entstigmatisiert werden soll, da die Aufklärungsarbeit der öffentlich auftretenden PsychologInnen bedauerlicherweise zugunsten vereinfachender und fehlleitender Erklärungen respektive sofortiger Diagnosestellungen vernachlässigt wird.
Getreu unserer Devise „the important thing is not to stop questioning“, ist auch im Hinblick auf die peinliche Psychologisiererei in der Öffentlichkeit kritisch mit- und weiterzudenken.
Die Depression zählt nach heutigem wissenschaftlichen Konsens durch die weitgehend anerkannten Klassifikationssysteme von Krankheiten ICD-10 und DSM-IV zu den affektiven Störungen. Zu den bekanntesten affektiven Störungen gehören sowohl die Manie als auch die Depression, während affektive Störungen sowohl uni- als auch bipolar auftreten können. Treten sie bipolar auf, wechseln sich manische und depressive Episoden im Krankheitsverlauf ab. Da es hier um eine uniplorale affektive Störung der Depression geht, wird die Manie im Weiteren ausgeklammert. Aber anhand dieses Beispiels wird schon ersichtlich, wie kompliziert eine eindeutige Diagnosestellung psychischer Störungen ist. Körperliche wie psychische Symptome können oftmals nicht eindeutig einer Krankheitskategorie zugeordnet werden, eventuell treten auch weitere Krankheiten komorbid zur vermuteten Krankheit auf. Typische Komorbitäten zur Depression sind Angststörungen, Substanzmissbrauch, sexuelle Funktionsstörungen und Persönlichkeitsstörungen (vgl. hierzu die jeweiligen Kapitel im ICD-10)
Eine Depression zeichnet sich laut ICD-10 durch folgende Symptome aus:
1. Eine ungewöhnlich niedergeschlagene Stimmung über die meiste Zeit des Tages und fast täglich, auch unabhängig von externen Einflussfaktoren.
2. Der Verlust von Freude und Interesse an angenehmen Aktivitäten (Anhedonie).
3. Antriebsschwäche oder erhöhte Müdigkeit.
Ferner ist zu bedenken, dass eine Depression in unterschiedlichen Schweregraden in Erscheinung treten kann. Im ICD-10 werden also leichte, mittelgradige und schwere Depression unterschieden.
Weitere Symptome einer Depression:
4. Verlust von Selbstwertgefühl
5. Unangemessene Schuldgefühle
6. Wiederholte Gedanken an den Tod oder Suizidgedanken
7. Konzentrationsstörungen und/oder Unentschlossenheit
8. psychomotorische Unruhe
9. Schlafstörungen
10. Auffällige(r) Verlust oder Steigerung des Appetits
Im Allgemeinen beträgt die Dauer der Symptome nach ICD mindestens zwei Wochen, genauso wie eine Einnahme psychotroper Substanzen oder eine organische Erkrankung ausgeschlossen werden kann, damit kategorial eine depressive Episode ohne Komorbiditäten nahe liegt.
Leidet jemand wiederkehrend an depressiven Phasen, spricht man von einer rezidivierenden depressiven Störung (vgl. für Depression v.a. F 32 im ICD-10).
Die Depression, epidemiologisch betrachtet, zählt zu den häufigsten psychischen Störungen, ihre Einjahresprävalenz liegt global gesehen bei 5-7% und ihre mittlere Lebenszeitprävalenz bei 16% (Stand 2009). Am häufigsten wird eine Depression im Lebensalter zwischen 20 und 30 Jahren diagnostiziert. Politische, soziale und wirtschaftliche Faktoren spielen bei der Prävalenz ebenfalls eine Rolle, so kann beispielsweise konstatiert werden, dass in niederen sozialen Schichten eine höhere Prävalenz für Depression besteht als in höheren Gesellschaftsschichten.
Weiterhin ist zwischen unterschiedlichen Ausprägungen der Depression zu unterscheiden. Bei einer Zyklothymia wechseln sich depressive und hypomanische (gradueller Unterschied zur Manie) Stimmungen ab, wobei eine Dysthymia durch eine Konstanz spezifischer Symptome gekennzeichnet ist (vgl. F 34.0 und F 34.1 im ICD-10). Psychotische Störungen (also Wahnvorstellungen und Halluzinationen) können mit einer Depression ebenfalls einhergehen, so zum Beispiel hypochondrischer oder nihilistischer Wahn. Aber auch Schuldwahn und/oder in extremer Ausprägung Stupor, der sich durch starke motorische Einschränkung oder Stummheit im wachen Bewusstseinszustand zeigt, können symptomatisch sein.
Fragt man nach den Bedingungen der Entstehung einer Depression als affektiver psychischer Störung, so bewegt man sich im Rahmen der Ätiologie der klinischen Psychologie. Hier herrscht mitnichten eine absolute Einigkeit innerhalb der klinischen Psychologie, welchen Faktoren bei der Entstehung einer Depression Vorzug zu gewähren ist. Dies spiegelt sich in dem Umstand der Existenz unterschiedlicher Paradigmen der klinischen Psychologie wider, die den Schwerpunkt auf unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung psychischer Krankheiten, setzen. Psychodynamik, kognitive Lerntheorie und das biologisches Paradigma sind nur drei von mehreren verschiedenen Paradigmen der klinischen Psychologie, innerhalb derer eine psychische Krankheit unterschiedlich verstanden, erklärt und therapiert wird. Dieser Umstand der Paradigmenabhängigkeit verdeutlicht auf wissenschaftlicher Ebene, wie leichtsinnig und pseudowissenschaftlich die öffentlicht in Erscheinung tretenden PsychologInnen agieren und (des)informieren.
Hier soll nur knapp und exemplarisch die Depression aus Perspektive der kognitiven Lerntheorie und dem biologischen Paradigma beleuchtet werden.
Einer der bedeutendsten Vertreter der kognitiven Lerntheorie in Sachen Depression ist der Psychiater und Psychotherapeut Aaron Beck, der von vielen auch als Vater der kognitiven Verhaltenstherapie gefeiert wird. Das Kognitionsmodell Becks geht davon aus, dass auf drei verschiedenen Levels kognitive Prozesse eine Depression verursachen.
Während der Kindheits- und Jugendentwicklung machen Betroffene negative Lebenserfahrungen (z.B. Zurückweisung und Mobbing durch Gleichaltrige, Verlust eines Elternteils durch Tod/Scheidung, fehlende elterliche Zuwendung etc.), die zum Erwerb negativer kognitiver Schemata führen. Diese lösen kognitive Verzerrungen der Realität aus, die sich u.a. in willkürlichen Schlussfolgerungen, selektiven Abstraktionen, Maximierung und Minimierung sowie Schwarzweißdenken widerspiegeln. Schlussfolgerungen werden willkürlich, wenn sie nicht mittels Faktoren und Beweisen untermauert werden können, selektive Abstraktionen stützen sich nur auf ein oder wenige Details, wobei wichtige Faktoren oder Merkmale einer Situation ausgeklammert werden. Bei der Maximierung und Minimierung wird negativen Ereignissen bzw. Leistungen eine übersteigerte Bedeutung beigemessen, wohingegen positive Leistungen und Ereignisse merklich unterschätzt werden. Bekanntlich werden beim Schwarzweißdenken keine positiven und negative Aspekte integriert, sondern lediglich „schwarz“ oder „weiß“ gedacht, sodass es zu einer kognitiv verzerrten Interpretation der Welt kommt.
Die kognitiven Verzerrungen bedingt durch negative Lebenserfahrungen konstituieren eine der drei Ebenen zur Bedingung der Entstehung einer Depression. Aufgrund dieser manifestieren sich die kognitiven Schemata oder Überzeugungen, die durch Situationen im Leben, die an die negativen Lebenserfahrungen erinnern lassen, reaktiviert werden, auf zweiter Ebene. Diese wiederum bedingen die dritte Ebene kognitiver Vorgänge, welche Beck als kongitive Triade bezeichnet. Diese impliziert die negativen Ansichten auf drei konkrete Bezugspunkte, das Selbst, die Umwelt und die Zukunft, auf die sich die negativen Ansicht beziehen. Die kognitive Triade hat wiederum Einfluss auf die beiden anderen Ebenen der Kognition, sodass die drei Ebenen der Kognition in einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis stehen, das die Entstehung einer Depression bedingt und verursacht.
In neueren Studien konnte auch ein bidirektionaler Zusammenhang zwischen Emotionen und Kognitionen belegt werden. Langzeituntersuchungen haben ergeben, dass eine wechselseitige Bedingung dysfunktionaler Eisntellungen sowohl emotionaler als auch kognitiver Einstellungen stattfindet, indem negative Emotionen als Ursache für negative Kognitionen und vice versa fungieren können.
Aus Perspektive des biologischen Paradigmas kommt die genetische Veranlagung der Betroffenen zum Tragen. Die klinische Psychologie spricht von einer genetischen Diathese bzw. Prädisposition für die Entstehung einer spezifischen psychischen Störung. Für die Bestimmung genetischer Zusammenhänge von psychichen Störungen sind Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien von Bedeutung, die an dieser Stelle jedoch nicht näher erklärt werden sollen. Es konnte durch einige Studien belegt werden, dass bei der Entstehung einer unipolaren Depression eine genetische Komponente konstitutiv ist. Markus Nöthen und Marcella Rietschel konnten u.a. 2002 in einer Studie belegen, dass Angehörige von unipolar depressiven Betroffenen ein Risiko von 15-20% für die Entwicklung derselben Krankheit aufweisen, während Angehörige von gesunden Probanden ein Risiko von lediglich 7-10% aufweisen. Während eine genetische Diathese also mehrfach belegt wurde, ist das Wie, also die Art und Weise des Zusammenhangs zwischen genetischer Veranlagung und der Entstehung einer Depression m.E. noch relativ unerforscht. Es wird von sehr komplexen genetischen Grundlagen ausgegangen.
Im Rahmen des biologischen Paradigmas sind auch neurowissenschaftliche Erklärungsansätze, die neurochemische Prozesse und hirnfunktionelle- sowie hirnstrukturelle Veränderungen von Betroffenen analysieren, besonders hervorzuheben. Diese können m.E. vor allem zu einer Entstigmatisierung von Depression beitragen, da sie die landläufige Vorstellung einer Depression als rein psychisches/geistiges Phänomen konterkarieren. Mittels moderner bildgebender Verfahren in der Medizin können spezifische Störungen von Hirnfunktionen- und strukturen in Zusammenhang konkreter psychischer Störungen, u.a. der Depression gebracht werden. Dass also ein Beinbruch unmittelbar als physisches Problem erkannt und eingesehen wird, während eine Depression oftmals als rein psychische Scheinkrankheit (emotionale Labilität o.ä.) verschrien wird und damit häufig ein unprofessioneller Umgang mit depressiven Patienten einhergeht (er/sie soll sich mal nicht so haben / zusammenreissen etc.), ist aus Sicht der Neurowissenschaft nicht haltbar, da klare physische Grundlagen bzw. Korrelate einer Depression nachweislich zu konstatieren sind.
Aus der Neuroanatomie ist bekannt, dass sowohl das Serotonin als auch das Dopamin als Neurotransmitter in Bezug auf Depression eine Rolle spielen. Auch hier können die Zusammenhänge nur kurz angerissen und geschildert werden, für ein differenziertes Verständnis funktioneller Neuroanatomie seien die zahlreichen Lehrwerke empfohlen, u.a. das hier auch relevante, 2014 erschienene Werk „Ein Blick ins Gehirn: Psychiatrie als angewandte klinische Neurowissenschaft“ von Dieter Braus. Die ängstlich-depressive Symptomatik ist auf eine geringe Serotonin-Rezeptor-Stimulation zurückzuführen, die im serotonergen System inklusive Hippokampus, subgenualem Kortex, posteriorem Zingulum und Amyglada nachgewiesen wurde. Anhedonie und Stupor können in Verbindung mit einen Dopaminmangel im dopaminergen System gebracht werden. Eine Dopmanindepletion verstärkt die beiden Symptome bei depressiven Patienten weitaus stärker als bei gesunden Probanden. Nach neusten Erkenntnissen hängen die beiden Neurotransmitter jedoch auch von Norephinephrin ab, das Einfluss auf die Funktion der beiden Neurotransmitter hat. Pathophysiologisch wird daraus die Hypothese abgeleitet, dass ein Eingreifen in letzteres System auch bei der Therapie affektiver Störungen eine Rolle spielen kann.
Neben dem neurochemischen Aspekt sind funktionelle und strukturelle Befunde für eine biologische Fundierung der Depression wichtig. Bei einer Depression korreliert eine Hyperaktivität limbischer Areale (Verarbeitung und Kontrolle von Affekten) sowie eine Hypoaktivität kortikaler Areale, die bei Tag und Nacht nachgewiesen werden konnten, womit von einer funktionellen Störung des Gehirns ausgegangen werden kann. Diese hirnfunktionelle Netzwerkstörung hat Auswirkungen auf Stimmungen, Ängste und Schmerzen (auch Schmerzerwartung, wie mittels fMRT belegt wurde). Strukturell konnte bei depressiven Patienten ein verringertes Hippokampusvolumen nachgewiesen werden, welches wiederum Einfluss auf die Funktionen wie Bewegung, Ernährung, Pflege sozialer Kontakte u.a. hat. Ferner konnten strukturell Läsionen in der weißen Substanz des präfrontalen Kortexes nachgewiesen werden. Je stärker die Depression, desto ausgeprägter die vaskulären Läsionen, die mit bildgebenden Verfahren stichhaltig festgehalten werden konnten. Weiterhin lassen sich Volumenreduktionen des rostralen anterioren Zingulum (funktionelle Bedeutung für physiologische und pathologische Gemütszustände) und des posterioren subgenualen präfrontalen Kortex festhalten, wobei letzterer Befund tendenziell eher spezifisch denn regelmäßig ist.
Neurochemische, hirnstrukturelle, aber vor allem hirnfunktionelle Veränderungen ließen sich noch weiter ausdifferenzieren. Für den Zweck, dass die Depression eindeutige biologische Grundlagen hat, die insbesondere mittels moderner bildgebender Verfahren nachgewiesen werden können, reicht die knappe Darstellung aus. In der modernen klinischen Psychologie herrscht weitgehend der Konsens, dass hinsichtlich der Depression ätiologisch von einem multifaktoriellem Komplex durch Erfahrungen, kognitiven sowie biologischen Prozessen ausgegangen werden muss.
Es ist de facto der Fall, dass Suizidalität häufig komorbid mit einer Depression einhergeht. Ca. die Hälfte aller Suizide werden im Verlauf einer depressiven Episode vollzogen, wobei 15% aller Depressiven tatsächlich Selbstmord begehen. Jedoch können auch Schizophrenie, Alkoholismus (bzw. auch andere Drogenabhängigkeit) und eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ein erhöhtes Suizidrisiko manifestieren. Methodisch werden bei vollendeten Suiziden eher drastischere Maßnahmen wie Erschießen, Erhängen oder tödlicher Sturz aus der Höhe mehrheitlich bevorzugt. Suizidversuche übersteigen vollendete Suizide quantitativ um das zehnfache, eine Lebenszeitprävalenz von vollendeten Suiziden beträgt bei Männern 1,5% und bei Frauen 0,7%.
All diese Fakten, Informationen und Zusammenhänge bieten bereits eine weitaus bessere Möglichkeit, Depressionen bzw. auch die Darstellung der Depression in Medien und den Umgang mit Depressiven kritisch zu reflektieren. Anstatt also nur aus Medien bekannten Menschen voreilig eine Depression zu bescheinigen und sich dabei auf die Aussagen und Einschätzungen von PsychologInnen in Interviews zu verlassen, sollte vielmehr die Komplexität psychischer Krankheiten im Hinblick auf ihre Ätiologie, Epidemiologie, Symptomatologie und Diagnose bedacht werden. Sicherlich kann in diesem Rahmen nur ein kleiner Beitrag zur Entstigmatisierung und Befreiung von Vorurteilen gegenüber der Depression als psychischer Krankheit geleistet werden. Es wird jedoch in diesem bescheidenen Rahmen bereits deutlich, wie absurd und verfehlt die Psychologisiererei vieler vermeintlicher ExpertInnen in der medialen Öffentlichkeit ist, dieser Tage hinsichtlich des tragischen Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen.
janison am 29. März 15
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